26_04 Die MS Mieming gratuliert Leonie Schennach
Trotz ihres jungen Alters begeistert Leonie bereits mit ihrem außergewöhnlichen Talent für das Schreiben. Mit viel Kreativität, Ausdrucksstärke und einer großen Portion Leidenschaft machte sie sich ans Werk – und das mit Erfolg.
Ihre Geschichte überzeugte die Jury, sodass sich Leonie schließlich unter den Gewinnerinnen des Wettbewerbs wiederfand. Für diese großartige Leistung wurde sie mit einem Büchergutschein ausgezeichnet.
Ein verdienter Erfolg, der zeigt, welches Potenzial in der jungen Autorin steckt. Die Mittelschule Mieming gratuliert Leonie herzlich und wünscht ihr weiterhin viel Freude und Erfolg beim Schreiben! (Projektleitung: Tanja Zimmermann/Text: Susanne Gantioler)
Hier Leonies Geschichte:
Das Geheimnis
Es war Samstagabend, als ich nachdenklich vom Ballett nach Hause ging. Plötzlich stürmte eine Horde Kinder an mir vorbei. Überrascht sah ich ihnen nach. Sie liefen auf den Fußballplatz zu. Ich wusste nicht was, aber irgendetwas zog mich auch dorthin. Langsam ging ich ihnen nach. Lange stand ich im Regen und schaute den Kindern beim Fußballspielen zu.
Da sprach mich eine Stimme an: „Willst du auch mitspielen?“. Ich blickte auf. Es war der Trainer. „Ja gerne“, stammelte ich und trabte auf das Spielfeld. Auf dem Platz standen nur Jungs. Ich fühlte mich unwohl, aber ich blieb. Da rief einer der Buben: „Verschwinde, du hast hier nichts verloren!“. Ich wurde wütend, aber der Trainer unterbrach den Streit. Er pfiff in seine Trillerpfeife: „Ruhe, jeder ist hier willkommen!“. Nervös machte ich die Übungen, die uns der Trainer aufgab. Manche Jungs grinsten blöd, andere tuschelten oder lachten. „Jetzt werden die Teams gewählt“, hörte ich einen Jungen sagen. Zwei Buben meldeten sich zum Wählen. Ich blieb als Letzte übrig und kam in die Mannschaft mit den roten Trikots. Der Trainer pfiff wieder in seine Trillerpfeife und das Spiel begann.
Ich bekam nie den Ball und kochte vor Wut. Ein Typ im blauen Trikot meinte: „Die schießt sowieso kein Tor.“ Ein Junge aus meiner Mannschaft schoss mir den Ball zu und rief: „Zeig uns, was du kannst!“. Alle schauten mich erwartungsvoll an. Ich wusste sofort was ich zu tun hatte. Auf einmal rannte ich auf das Tor zu und knallte den Ball in das Netz. Meine Mitspieler stürmten auf mich zu, jubelten und klatschen mit mir ab. Ich lächelte und ich wusste jetzt, was ich wirklich wollte: Fußballspielen.
Ich spielte noch eine Weile mit und ging dann verschwitzt nach Hause. Daheim erzählte ich dann meinem Papa, dass ich lieber Fußball spielen würde, als Ballett zu tanzen. Mein Vater zeigte nicht die gewünschte Reaktion. Er schrie mich an und meinte: „Fußball ist nur etwas für Jungs!“. „Aber das stimmt doch gar nicht!“, schimpfte ich. „Es kann auch etwas für Mädchen sein!“ Mein Vater schnaubte vor Wut und ging aus dem Raum. Ich lief hinterher. „Vater warte! Ballett ist langweilig und Fußball nicht“, versuchte ich ihn umzustimmen. Er blieb stehen und drehte sich um: „Geh!“, donnerte er. Enttäuscht und wütend ging ich aus dem Zimmer. Es machte mich traurig, dass mein Vater das nicht so sah wie ich.
Aber jede Woche, wenn meine Ballettstunde aus war, lief ich zum Fußballplatz und spielte noch eine halbe Stunde mit den anderen Kindern mit. Meinen Eltern erzählte ich davon nichts. Ich wurde immer besser, und umso besser ich wurde, desto mehr respektierten mich meine Mitspieler. Wie gerne hätte ich meinen Eltern von meinen Erfolgen als Fußballspielerin erzählt! Es war schwer für mich ihnen nie etwas von meinen Torschüssen berichten zu dürfen. Es war mein großes Geheimnis, von dem ich niemandem etwas sagen konnte.
Ob ich meinen Traum als Fußspielerin irgendwann wahr werden lassen kann, ob ich eines Tages durch das Stadion laufen kann und ob meine Eltern mir begeistert zujubeln und mich dann endlich verstehen, das weiß ich noch nicht. Hoffentlich passiert das irgendwann.
Zeichen (mit Leerzeichen): 3141
Wörter: 516
Leonie Schennach, 2b MS Mieming
02. Jänner 2026
